BörseGrundlagenValue Investing

Preis und Wert — Das ist ein Unterschied.

Preis und Wert

Wenn ich früher Nachrichten von der Börse mitbekommen habe, dann klang das meistens so: „Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet“, „XYZ verliert soundsoviele Milliarden Dollar Vermögen“. Und ich habe mich immer gewundert, was da eigentlich los ist. In diesem Artikel werfe ich einen genaueren Blick auf eines der Grundprinzipien des Value Investing: Preis und Wert, das ist ein Unterschied.

Was zwischen den Zeilen bei solchen Nachrichten immer mitschwingt: Die selbstverständliche Annahme, dass der Wert eines Unternehmens seinem „Börsenwert“ entspricht, also dem Kurs der zugehörigen Aktie. Und auch ansonsten ist dieser Gedanke oft zu hören: Der Wert z.B. meines Autos entspricht dem, was ein potentieller Käufer bereit wäre zu zahlen.

Die Idee, es könnte auch anders sein, muss man sich erst einmal ins Bewusstsein rufen. Und doch liegt genau in dieser Feststellung eines der Grundprinzipien des Value Investing, also des wertorientierten Investierens:

Der Preis einer Aktie – und damit eines Unternehmens – ist nicht identisch mit ihrem Wert.

Stattdessen lernen wir beim Value Investing, einem Unternehmen einen „intrinsischen“ bzw. inneren Wert zuzuordnen. Warum haben wir diese Möglichkeit? Was unterscheidet ein Unternehmen von, sagen wir, einem Picasso?

Produktive und nicht-produktive Vermögenswerte

Bei einem Unternehmen handelt es sich um einen produktiven Vermögenswert. Eine erfolgreiche Firma schafft Wert: Sie bietet Produkte oder Dienstleistungen an, die mehr wert sind als die aufgewendeten Mittel. Daraus ergibt sich ein Gewinn, der uns als Besitzern der Firma zusteht. Genauso verhält es sich mit einer Aktie, die ja nichts anderes als ein Unternehmensanteil ist.

Im Gegensatz zu einem Picasso, der zwar schön aussieht, jedoch ansonsten nur an der Wand hängt, produziert das Unternehmen aktiv Geld. Es ähnelt daher eher dem Goldesel aus dem Märchen „Tischlein, deck dich!“.

Preisbildung durch Angebot und Nachfrage

Auch bei einem Picasso, wie auch bei einem Goldbarren, einer Bitcoin, und anderen nichtproduktiven Vermögenswerten, kann man als Besitzer natürlich einen Gewinn erzielen. Dieser ergibt sich aber im Wesentlichen aus dem Marktumfeld: Wieviel sind Käufer bereit zu bezahlen? Finde ich jemanden, der noch mehr bezahlt, als ich bezahlt habe? Möglicherweise ja, doch es ist schwierig, einem Picasso einen objektiven Wert zuzuordnen. Aspekte, wie die Berühmtheit des Künstlers, und damit aber auch Hypes oder kulturelle Entwicklungen, können die Preisbildung stark beeinflussen — auch zum eigenen Nachteil.

Auch bei Aktien gibt es diese Art der Preisbildung: Bringen gesellschaftliche Trends Firmen wie Tesla ins Bewusstsein einer breiten Masse, kann es auch zu stark überhöhten Bewertungen der zugehörigen Aktien kommen. Marktstimmungen, gerne unter den Schlagworten „Furcht und Gier“ zusammengefasst, können Aktien in den Keller, aber auch in luftige Höhen treiben, oft völlig unabhängig von der Gesundheit des zugehörigen Unternehmens.

Der Gewinn erzeugt inneren Wert

Beim Value Investing halten wir uns bevorzugt in einem Bereich auf, wo der Aktienpreis direkt durch die Fähigkeit des Unternehmens, Gewinn zu erzielen, gerechtfertigt wird. Wir können also ziemlich objektiv argumentieren, warum ein Aktienkurs in Bezug auf die fundamentalen Unternehmenszahlen Sinn macht. Dann kann das Unternehmen seine Aktionäre auch direkt über Aktienrückkäufe und Dividenden am Gewinn beteiligen.

Ist der Aktienkurs dagegen stark überhöht (das 100fache des jährlichen Gewinns pro Aktie ist z.B. keine Seltenheit), machen mögliche Gewinnausschüttungen des Unternehmens für den Aktionär kaum einen Unterschied. Im Gegenteil muss man als Aktionär in einem solchen Fall eine Verwässerung fürchten: Hohe Aktienkurse sind eine Gelegenheit für die Firma, zusätzliches Geld durch Herausgabe neuer Aktien einzutreiben. Von dieser Möglichkeit hat Tesla — völlig zurecht — auch schon mehrere Male Gebrauch gemacht. Als Aktionär wird dadurch der eigene Anteil am Unternehmen verringert.

Die Möglichkeit, einen inneren Wert für das Unternehmen anzugeben, dient auch der Risikominimierung. Obwohl jeder Investor zu einem etwas anderen Ergebnis kommen wird, wird alleine schon durch diese Betrachtung eine Vielzahl riskanter Investitionen ausgeschlossen. Denn wir investieren nur, wenn das Unternehmen, bzw. seine Aktie, wesentlich günstiger als dessen innerer Wert zu haben sind.

Zum Abschluss möchte ich euch das berühmteste, aber auch eloquenteste Zitat zum Thema nicht ersparen. Benjamin Graham hat es auf den Punkt gebracht:

„Price is what you pay, value is what you get.“

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