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NerdScore – Corsair

NerdScore Corsair

Mein Blog ist noch bei weitem nicht nerdig genug. Darum gibt es den NerdScore ab sofort auch hier auf dem Blog. Der notorische Platzmangel im Instagram-Textfeld ist damit auch Geschichte – und trotzdem werde ich das relativ knappe Format, vor allem aber natürlich die Kriterien zum NerdScore beibehalten. Den Anfang machen wir heute mit dem NerdScore zu Corsair Gaming, Inc. Für Feedback stehe ich euch wie immer gerne zur Verfügung – aber jetzt wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

Das Unternehmen

Corsair Gaming, Inc. wurde 1994 gegründet und ist im kalifornischen Fremont beheimatet. Das Unternehmen ist als Hersteller von Gaming- und Streaming-Zubehör bekannt, und gliedert sein Geschäft in zwei Segmente:

  1. Gamer- und Creator-Zubehör, z.B. Mäuse, Headsets, Tastaturen, Controller, sowie Mikrophone, Stream Decks, Studiozubehör, sowie Coaching-Services.
  2. Gaming-PCs und Komponenten, z.B. Netzteile, Kühlung, und DRAM-Module.

Corsair ist im eher hochpreisigen Marktsegment tätig und versteht sich als Hersteller von High-Performance-Equipment. Die Firma ist US-Marktführer bei Komponenten für Gaming-PCs, sowie Zweiter/Dritter in einigen anderen Bereichen. Ihre Produkte sind in 75 Ländern verfügbar, wobei knapp die Hälfte des Umsatzes in Amerika anfällt. Europa stellt etwa 35%, und auf Asien entfallen ca. 15%. Zu beachten ist außerdem, dass Corsair lediglich designt, vermarktet und vertreibt – die eigentliche Herstellung übernehmen aber Drittfirmen.

Corsair wurde 2017 großteils von der Private-Equity-Firma Eagle Tree Capital übernommen und 2020 an die Börse geführt. Seit der Übernahme durch Eagle Tree wurden mehrere Zukäufe getätigt, mit denen das Unternehmen sich z.B. im Streamingbereich verstärkt hat.

Die Firma hat 2020 ein Umsatzwachstum von 55% auf die Matte gebracht, begünstigt durch die Corona-Krise. Für 2021 wird eine nochmalige Steigerung um 20% erwartet.

Der Blick unter die Haube

Nun zu den einzelnen NerdScore-Kriterien:

Kapitalrendite

Das Coronajahr 2020 brachte einen ansehnlichen ROCE von über 30%, und einen ROE von gut 23%. Diese Zahlen sind sehr gut. Allerdings besteht eine Unsicherheit, ob diese Performance „nach“ der Pandemie aufrechterhalten werden kann (siehe „Bedenken“). Trotzdem gebe ich in diesem Bereich die volle Punktzahl: 5/5.

Burggraben

Corsair würde ich einen Marken-Moat zugestehen. Zwar handelt es sich nicht gerade um einen „Household name“, den auch Tante Erna kennt. Mir selbst ist die Marke allerdings schon länger geläufig, obwohl ich kein Hardcore-Gamer bin. Zudem schafft die Firma es anscheinend, ihre Produkte mit Preisaufschlag zu verkaufen. Im Jahresbericht wird ein Aufpreis von etwa 30% im Vergleich zum Durchschnitt der Konkurrenz angeführt. Einen weiteren Punkt gibt es für eine gewisse Dauerhaftigkeit des Moat, da Corsair seine Position schon seit einigen Jahrzehnten stetig ausbaut.

Im e-Sport-Bereich hat sich inzwischen auch ein Sponsoring-Geschäft entwickelt: Hersteller haben ein Interesse daran, wenn beliebte Gamer ihre Produkte verwenden (à la Nike und Adidas). Corsair mischt hier fleißig mit und ist z.B. im Stream auch über eine charakteristische Farbpalette zu erkennen. Punktzahl: 3/5.

Schulden

Die zinstragenden Schulden liegen beim Zweifachen des 2020er Free Cashflow. Das allein wäre völlig in Ordnung, aber es gibt einige Mankos:

  • Der 2020er Cashflow war womöglich nur ausnahmsweise besonders gut.
  • Außerdem sind die Schulden so hoch bezinst, dass der Zinsdeckungsgrad nur bei ca. 5 liegt. Da würde ich gerne mindestens 10 sehen.
  • Wegen des hohen Goodwill auf der Bilanz (durch die Firmenzukäufe) ist das greifbare Eigenkapital negativ.

Das ist nicht perfekt, aber auch nicht allzu dramatisch. Das Management scheint sich des Problems auch durchaus bewusst zu sein und nutzt die gute Geschäftslage aus, um die Schulden vorzeitig abzutragen. Punktzahl: 3/5.

Wachstumschancen

Der Gamingmarkt ist die letzten Jahre etwa 10% jährlich gewachsen. Corsair hat in vielen Bereichen noch Potential beim Marktanteil, und erzielt derzeit nur einen kleinen Teil des Umsatzes in Asien. Hier gibt es also noch Potential. Außerdem könnten die zugekauften Marken unter dem Corsair-Mantel noch erfolgreicher werden, und es gibt neue Bereiche wie die Coaching-Services. Hier sehe ich also insgesamt gute Chancen: 5/5.

EPS-Wachstum

Das Wachstum des Gewinns pro Aktie ist nicht so leicht zu beurteilen, da das Unternehmen sich die letzten Jahre stark verändert hat. Zudem stand 2018/19 jeweils ein kleiner Verlust im Buch (unter anderem auch durch die hohen Zinszahlungen), durch den sich eine Berechnung sowieso erübrigt. Das Umsatzwachstum lag jedoch konsistent seit 2016 jedoch bei 30% jährlich. Stellvertretend vergebe ich hier also die Bewertung für das Umsatzwachstum: 5/5.

Management

CEO Andy Paul ist gleichzeitig auch einer der Mitgründer von Corsair und führt die Firma schon von Anfang an. Er hält zudem ca. 3% der Aktien. Ihm gestehe ich daher das gute Händchen und die richtige Vision zu. Die Bonuszahlungen für das Management basieren auf EBIT. Das halte ich für einen sehr guten Anreiz. Die Kriterien für Aktienboni scheinen allerdings noch nicht definiert worden zu sein. Das Board of Directors wird gemäß der Übernahmebedingungen von Eagle-Tree-Leuten dominiert. Eagle Tree hat zwar begonnen, Anteile zu verkaufen, wird seinen Einfluss aber sicher noch geraume Zeit beibehalten. Das muss nicht schlecht sein, man sollte es aber wissen. Punktzahl: 4/5.

Kapitalnutzung

Die Firma ist seit 2018 im Zukauf-Modus – anscheinend wird dabei durchaus vernünftig agiert und das Portfolio behutsam und sinnvoll ausgebaut. Es wird vorerst keine Dividenden geben, auch von Aktienrückkäufen ist keine Rede. Für den Aktionär ist das eine unsichere Lage: Wird die Firma das Wachstum erfolgreich weiterführen können? Außerdem besteht die Gefahr der Verwässerung. Corsair hat bereits ein zweites Aktienpaket an den Markt gebracht – gerade in Anbetracht der Zukäufe ist so etwas natürlich auch in Zukunft möglich. Punktzahl: 4/5.

Bedenken

Einige der bereits genannten Bedenken kommen in dieser Kategorie nun als Wertung zu tragen:

  • Die weltweite Chipknappheit könnte in den nächsten 1-2 Jahren den Umsatz beschränken oder zumindest Druck auf die Margen ausüben.
  • Die Margen sind generell nicht besonders üppig – insbesondere die EBIT-Marge hat in den letzten Jahren sehr empfindlich auf Schwankungen reagiert. Hier würde ich gerne noch etwas Optimierung sehen – angesichts der vergangenen Zukäufe gibt es hier bestimmt noch Potential, und das Management hat durch die EBIT-fokussierten Boni auch einen Anreiz dazu.
  • Corsair wird von einer Private-Equity-Firma kontrolliert (ca. 55%), die großen Einfluss auf die Firmenpolitik hat.
  • Verkauf von Anteilen der PE-Firma könnte den Aktienkurs drücken.
  • Außerdem Risiken in Bezug auf Transportkosten/Zölle, da viel in Asien produziert wird.
  • Ca. ein Drittel des Umsatzes kommt durch die DRAM-Chips, die zu Preisschwankungen neigen. Ca. 25% des Umsatzes läuft über Amazon.
  • Potentielle Verwässerung im Falle weiterer Zukäufe. (bereits bei „Kapitalnutzung“ in der Wertung berücksichtigt)

Bewertung: 3/5.

Fazit und NerdScore

Für mich ist Corsair ein interessantes Unternehmen, für das ich durchaus auch eine positive Zukunft sehe. Aus Aktionärssicht ist allerdings weiteres Wachstum Pflicht, da Dividenden und Rückkäufe derzeit fehlen. Das Unternehmen hat sich die letzten Jahre schnell verändert und ist damit eigentlich ein guter Kandidat für den „too-hard-pile“ (zu schwer zu beurteilen). Basierend auf den zuletzt erzielten Ergebnissen läge für mich ein guter Einstiegspreis im Bereich 17-24$ – angesichts der Unwägbarkeiten würde ich eher auf das untere Ende des Bereichs zielen.

Anhand der einzelnen Bewertungen ergibt sich für den NerdScore ein solides Ergebnis von 4.0/5. Jetzt seid ihr dran: Was haltet ihr von dem Unternehmen? Stimmt ihr meiner Bewertung zu?

NerdScore für Corsair
NerdScore für Corsair Gaming, Inc.

Bitte beachte meinen Disclaimer.

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