Meine Strategie im Optionshandel, Teil 2 — Spreads

Wohlgekleidete Optionstraderin illustriert einen Spread.
Photo by Dayne Topkin on Unsplash
Wohlgekleidete Optionstraderin illustriert einen Spread. Photo by Dayne Topkin on Unsplash


Update 05/2021: In diesem Artikel beschreibe ich, warum ich inzwischen kaum noch Spreads handele.

Im heutigen Artikel beschreibe ich ein weiteres Standbein meines Optionstradings: sogenannte Multi-Leg-Strategien, bei denen man das eigene Risiko flexibel begrenzen und gezielt Trades mit einer bestimmten Gewinnchance aufsetzen kann.

Im ersten Teil meiner Strategieserie habe ich beschrieben, wie ich durch den Verkauf von einzelnen Put-Optionen ein zusätzliches Einkommen erzeuge. Diese Strategie stellt aber nur einen relativ kleinen Teil meiner Optionstrades dar — derzeit habe ich üblicherweise etwa zwei bis drei dieser Trades laufen.

Den weitaus größeren Teil — z.B. 8 parallele Trades — machen sogenannte Spreads aus. Diese gehören zu den Multi-Leg-Strategien, bei denen man nicht nur eine einzelne Option handelt, sondern gleich mehrere.

Der Hauptgrund hierfür: die Begrenzung des eigenen Risikos durch den Kauf einer „Rückversicherung“. Beispiel: Ich verkaufe einen Call. Dieser hat theoretisch ein unbegrenztes Verlustrisiko, sollte die Aktie bis in den Himmel steigen. Das Risiko kann ich jedoch fast beliebig reduzieren, indem ich eine eigene Call-Option kaufe, deren Strike-Preis etwas oberhalb des Strikes des verkauften Calls liegt.

Die eben beschriebene Konstruktion nennt sich „Spread“, was sich auf den Abstand der beiden Strike-Preise bezieht. Dieser Spread definiert gleichzeitig das maximale Risiko pro Aktie.

Ein Beispiel

Der ETF mit dem Tickersymbol „SPY“ (der den S&P 500-Index trackt) wird derzeit (13.11.2020) für ca. 356$ gehandelt. Angenommen, ich würde nun gerne einen „Bear Call Spread“ verkaufen, d.h. ich wette darauf, dass der S&P 500 bis zum Ablauf der Optionen einen bestimmten Wert nicht übersteigt.

Ich verkaufe einen Call auf SPY zum Strike von 370$. Gleichzeitig kaufe ich den 372$-Call. Damit beträgt die Breite des Spreads 2$. Da sich ein Optionskontrakt immer auf 100 Aktien bezieht, bedeutet dies ein maximales Risiko von 200$ für den gesamten Trade.

Das Risiko reduziert sich um die verdiente Prämie: Bei 35 Tagen Laufzeit erhält man für diesen Trade ca. 45$, und zwar direkt bei Eröffnung des Trades. Der maximale reale Verlust liegt damit bei 155$. In die Verlustzone kommt der Trade erst, wenn SPY über 370,45$ steigt. Dieser Wert, der Breakeven, ergibt sich aus dem Strikepreis des verkauften Puts, plus der Prämie pro Aktie.

Breakeven = 370$ + 0,45$

Gewinnchance

Nun stellt sich die Frage: Wenn mein möglicher Verlust dreimal so groß ist wie der Gewinn, warum sollte ich so einen Trade überhaupt eingehen?

Die Antwort: Man hat eine hohe Gewinnchance! Die Broker, bei denen Optionen gehandelt werden können, stellen üblicherweise eine recht komplexe Plattform zur Verfügung. Unter anderem wird hier mit Hilfe der Black-Scholes-Formel berechnet, wie groß die Schwankungen des Aktienkurses sind, die „der Markt“ erwartet („implizite Volatilität“ — siehe Grundlagen).

Die nötigen Berechnungen werden alle automatisiert durchgeführt, und dem Benutzer in der Handelsplattform präsentiert. So wird z.B. die geschätzte Gewinnchance des oben beschriebenen Bear Call Spreads auf SPY mit 77% angegeben.

Hier zeigt sich die vielleicht größte Stärke des Optionstrading: Würde ich anstelle der Optionen direkt den SPY-ETF selbst traden, müsste ich diesen „shorten“ (leer verkaufen), um meinen oben genannten Pessimismus über den S&P 500-Index zum Ausdruck zu bringen. Steigt der Index jetzt aber, verliert ich mit diesem Trade sofort Geld. Hingegen beginnt der Optionstrade erst Geld zu verlieren, wenn der Breakeven-Punkt überschritten wird, der 14$ vom derzeitigen Kurs entfernt liegt. Hier kann man also deutlich falsch liegen und trotzdem noch Geld verdienen.

Fazit

Meine Strategie lässt sich zusammenfassend also folgendermaßen ausdrücken:

Der zweite Teil meiner Optionsstrategie besteht darin, Spreads auf ETFs oder Einzelaktien zu verkaufen. Dabei verkaufe ich sowohl Bull Put Spreads, die auf ein Steigen des Aktienkurses wetten, sowie Bear Call Spreads, die auf ein Fallen des Kurses bauen.

Es gibt auch neutrale Strategien: setzt man die soeben genannten Spreads zusammen (insgesamt dann vier Optionskontrakte), erhält man einen „Iron Condor„. Diesen kann man mit so weit auseinanderliegenden Strikes aufsetzen, dass man Ende wieder eine Gewinnchance von über 70% hat. Liegen die Strikes der beiden verkauften Optionen dagegen direkt aufeinander, nennt sich die Kombination „Iron Butterfly„. Beide Strategien erzielen einen Gewinn, wenn die Aktie einen bestimmten Preisbereich zum Ablauf der Optionen nicht verlässt. Im Gegensatz dazu profitieren die einseitigen Spreads von einer Bewegung der Aktie.

Der Vorteil all dieser Strategien, im Vergleich zu einem Aktienkauf: Man ist nicht darauf angewiesen, dass Aktien steigen. Da man mit einer Option einen Service verkauft, verdient man auch Prämien, wenn sich der Preis der zugrundeliegenden Aktie überhaupt nicht bewegt.

Wie ihr seht, sind Optionen ein sehr flexibles und interessantes Instrument. Die Einstiegshürde ist nicht zu unterschätzen, aber wer sich durchkämpft, wird am Ende auch belohnt.

Ich hoffe, ihr konntet etwas mitnehmen! 🙏
Bis demnächst,
euer Nerd.

Bitte beachtet meinen Disclaimer.

2 Gedanken zu „Meine Strategie im Optionshandel, Teil 2 — Spreads

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.