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Die Top 7 auf meiner Investment-Checkliste

Wer kennt es nicht? Man kommt gerade vom Supermarkt. Die drei Packungen Toilettenpapier für den Weltuntergang sind da, aber oh nein! Die Gourmet-Erbsensuppe aus der Dose fehlt. Egal, wir halten die Nase trotzdem hoch, denn: ein Einkaufszettel, das ist doch was für den Oppa.

Spaß beiseite: Mit der Suppe ist vielleicht nicht viel verloren. Ein verkorkster Aktienkauf kann einem Investor aber gehörig den Spaß und die Performance vermiesen. Im schlimmsten Fall sogar das Rentenleben, wenn man wiederholt in solche Probleme läuft und irgendwann entnervt aufgibt.

Hervorragende Investoren wie Warren Buffett und Charlie Munger haben oft betont, dass die Investition an der Börse kein Spiel ist, bei dem diejenigen mit dem höchsten Intelligenzquotienten gewinnen.

Stattdessen sind es diejenigen, die ihre eigene Psychologie und unsere menschlichen Biases am besten in Schach halten können.

Ein wichtiges Werkzeug hierfür ist der Opa-Einkaufszettel, bzw. die Checkliste. Bei klarem Verstand erstellt, ermöglicht sie uns, bei jeder Aktion annähernd dieselben Gedankengänge durchzugehen. So stellt man sicher, keinen wichtigen Punkt zu übersehen, und sich nicht aus irrationalen Gründen für einen Aktienkauf oder -verkauf zu entscheiden.

In diesem Artikel stelle ich euch meine Top 7 Elemente vor, ohne die für mich „die Tür nicht zu geht“: Wenn diese Punkte nicht zufriedenstellend erfüllt werden, wird nicht investiert. Aus diesem Grund sind einige der folgenden Punkte auch zentrale Punkte im NerdScore.

1) Schulden

Diesen Punkt würde ich vielleicht nicht in jeder Wirtschaftssituation an erster Stelle führen — zu Pandemiezeiten ist er aber essentiell. Ich betrachte hier das Verhältnis aus zinspflichtigen Langzeitschulden wie z.B. Anleihen oder andere Kreditlinien, zum Free Cash Flow des Unternehmens. Dieses Verhältnis sollte nicht größer als 2 sein.

Langzeitschulden / Free Cash Flow < 2

Außerdem ist die Entwicklung über die Zeit wichtig: Nimmt das Unternehmen kontinuierlich neue Schulden auf? Oder werden vorhandene Schulden kontinuierlich abgebaut? In letzterem Fall würde ich einen zeitweilig höheren Wert als 2 akzeptieren.

2) Kapitalrendite

Ich investiere nur in Unternehmen, die bezogen auf das vorhandene Kapital einen hohen Gewinn erwirtschaften. Die wichtigste Maßzahl hierfür ist ROE, der Return on Equity (Eigenkapitalrendite). Ich betrachte jedoch auch immer den ROCE (Return on Capital Employed — Rendite auf eingesetztes Kapital), der Schulden mit berücksichtigt, aber dafür einige nicht zum Betrieb nötige Mittel herausrechnet.

Liegen diese beiden Kennzahlen unter 15%, bin ich nicht interessiert, denn ROE/ROCE sind die besten Indikatoren für den langfristigen Ertrag, den auch ich als Aktionär erwarten kann. Viele Unternehmen liegen über 20%, manche über 30% oder noch höher — warum also Abstriche machen? Auch hier interessiert mich die zeitliche Entwicklung. Die Zahl sollte nicht abnehmen.

3) Management

Wichtigster Punkt hier: Wer ist der CEO? Handelt es sich um jemanden mit Erfahrung im Unternehmen, oder zumindest in der Branche? Hält der CEO einen großen Teil seines Vermögens in Form von Aktien des Unternehmens selbst? Welche Gehaltsanreize werden gesetzt?

Idealerweise möchte ich hier sehen, dass der CEO einer der größten Einzelaktionäre ist. Das Gehalt sollte sich an der Performance des Unternehmens (z.B. ROE, EBIT) orientieren, nicht so sehr am Preis der Aktie.

4) Langfristige Aussichten

Da ich auf eine langfristig positive Entwicklung des Unternehmens Wert lege, werfe ich auch einen besonderen Blick darauf, welche Grenzen der Entwicklung des Unternehmens gesetzt sind.

Haben wir z.B. ein stark wachsendes Unternehmen in einem stagnierenden Markt, so wird die Firma bald an die Grenzen des Wachstums stoßen. Ein durch das Wachstum bedingtes hohes KGV kann dann kollabieren und den Wiederverkaufswert der Aktie stark reduzieren.

Wie geht man damit um? Ich habe aus Phil Towns Checkliste (siehe Schluss des Artikels) die folgende Anforderung übernommen:

Mein Zeithorizont ist 10 Jahre, d.h. bei der Berechnung des Unternehmenswerts gehe ich von einer 10jährigen Haltefrist aus. Das angenommene Wachstum muss dann aber mindestens für 15 Jahre durchzuhalten sein — denn sonst werde ich beim Verkauf nicht mein gewünschtes KGV erzielen können.

5) Ist die Aktie günstig zu haben?

Nun, Bewertungsmethoden gibt es sehr viele. Für mich selbst benutze ich seit Neuestem vier Bewertungsmethoden. Ich benutze zum einen eine DCF-Methode, die auf dem zu erwartenden Free Cash Flow des Unternehmens aufsetzt.

Vor kurzem habe ich noch Phil Towns drei Methoden aufgenommen (Ten Cap, Payback Time, Margin of Safety Analysis). Diese haben für mich den Reiz, mit unterschiedlich komplexen Annahmen (in der obigen Reihenfolge von einfach nach kompliziert) zu arbeiten.

Diese Methoden produzieren schließlich alle eine leicht unterschiedliche Zahl für den Unternehmenswert, und geben mir eine Obergrenze für den Preis, den ich bereit bin zu zahlen. Die Annahmen sind dabei sehr konservativ, so dass die Wahrscheinlichkeit, Geld zu verlieren, möglichst minimiert wird.

6) Warum ich?

Ist die Aktie tatsächlich „on sale“? Toll! Na dann kaufen! Oder doch nicht? Nein. Hier fehlen noch zwei wichtige Schritte: Zunächst einmal muss ich verstehen, warum diese Aktie so günstig zu haben ist.

Gibt es nämlich keinen offensichtlichen Grund (Beispiel: Intels Fertigungsprobleme bei der neuen 7nm-Halbleitertechnologie), so muss ich mir die Frage stellen: Warum sehe ich als Einzige(r), dass dieses Unternehmen ein Schnäppchen ist? Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es nämlich keins, wenn es kein offensichtliches Problem mit dem Unternehmen gibt.

Daher: Stelle sicher, dass dir klar ist, warum andere Leute (institutionelle Anleger/Fonds) aus der Aktie aussteigen. Und: Du solltest dir einigermaßen sicher sein, dass sich das Unternehmen von diesem Ereignis erholen wird.

7) Inversion

Eng verwandt mit dem letzten Punkt. Wie Charlie Munger und schon Carl Gustav Jacobi wussten, soll man seine eigene These auf den Kopf stellen, bevor man eine Entscheidung fällt, denn: Wenn ich die Aktie kaufe, verkauft sie ja gleichzeitig jemand anderes. Warum würde diese Person verkaufen, wenn die Aktie so ein Schnäppchen ist?

Die Aufgabe bei diesem Punkt ist: Gründe zu suchen, warum das Unternehmen in Wirklichkeit ein Pleitekandidat ist. Könnte das Geschäftsmodell eine Disruption erfahren? Könnte jemand den Wettbewerbsvorteil brechen? Könnte das Unternehmen Liquiditätsprobleme bekommen? Hierzu kann man sich z.B. Artikel heraussuchen, in denen Shortseller ihre Short-Thesen vortragen. Sind diese Argumente überzeugender als die zuvor selbst gefundenen, spart man sich die Investition vielleicht lieber.

Materialien

Habt ihr Blut geleckt und wollt nun eure eigene Checkliste erstellen? Futter hierfür gibt es natürlich zur Genüge. Meine Inspiration habe ich aus diversen Podcasts sowie Büchern. Um einige zu nennen:

Value Investor TV Podcast
InvestED Podcast (Phil & Danielle Town; nach den „checklist“-Episoden suchen)
Atul Gawande: The Checklist Manifesto
Peter D. Kaufman: Poor Charlie’s Almanack

Beachtet bitte stets meinen Disclaimer!

2 Gedanken zu „Die Top 7 auf meiner Investment-Checkliste

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